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Sonntag, 11. Januar 2015

Gedenkstein für musikalisches Genie im Johannesstift


Der Komponist Ernst Pepping (1901-1981) gilt als Revolutionär der evangelischen Kirchenmusik. Von 1934 bis zu seinem Tod lebte er im ehemaligen Heinrich-Schütz-Haus im Evangelischen Johannesstift Berlin. Nun erinnert ein Gedenkstein vor dem heutigen Janusz-Korcak-Haus an ihn und die Berliner Kirchenmusikschule, die sich von 1928 bis 1998 dort befand. 60 Kirchenmusiker aus ganz Deutschland reisten an und gestalteten gemeinsam mit der Kantorei des Stifts ein Festkonzert.

Martin von Essen, Vorsteher des Evangelischen Johannesstifts Berlin, ist ein begnadeter Musiker und Musikliebhaber. Gemeinsam mit  Margot Käßmann, der Beauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland, gestaltete er das diesjährige Erntedankfest. Voll im Fokus der Medien. Sein Gitarrenspiel, sein Gesang gehören einfach zum Leben des traditionsreichen Johannesstifts dazu. Das hat Tradition.

Im modernen Zeitgeist etwas in Vergessenheit geraten ist die Erinnerung, dass sich im heutigen Janusz-Korcak-Haus die Berliner Kirchenmusikschule befunden hat.
Und die historischen Fakten zu der Schule, die 70 Jahre lang im Heinrich-Schütz-Haus das Bild des Johannesstifts prägten, lassen mit der Zunge schnalzen.

Letzter Leiter war Prof. Martin Behrmann, der unter anderem mit einem umfangreichen Handbuch zur Chorleitung hervorgetreten ist. Die Studenten an der Spandauer Kirchenmusikschule bildeten die Basis der „Spandauer Kantorei“ (S.K.), eines gemischten Chores, der mit zahlreichen Konzerten, Rundfunkaufnahmen etc. in der Öffentlichkeit Berlins präsent war. Weitere herausragende Lehrpersonen an der S. K. waren der Komponist Heinz Werner Zimmermann, seine Frau Renate Zimmermann, die Organisten Heinz Lohmann und Karl Hochreither, der Komponist Winfried Radeke und die Dirigenten Hanns-Martin Schneidt und Helmuth Rilling (bis 1966).

Im Frühjahr 1934 erhielt Pepping ein Angebot als Lehrer für Harmonielehre, Partiturspiel und Kontrapunkt an der evangelischen Kirchenmusikschule des Johannes-Stiftes in Berlin-Spandau.  Es war eine Anstellung, die er mit größter Hingabe und Sorgfalt versah, was von zahlreichen seiner Schüler – etwa von Helmut Barbe, der immer noch in Spandau lebt, bestätigt wurde. Pepping unterrichtete außerdem von 1935 bis 1938 an der Berliner Hochschule für Musik als Dozent.
Vom aktiven Kriegsdienst war er von Anfang an befreit. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs schützte ihn die von Hitler unterschriebene Gottbegnadeten-Liste vor einem Kriegseinsatz.

Nach dem Krieg  wirkte Pepping bis 1968 als Professor für Kirchenmusik und Komposition an der Berliner Hochschule für Musik, seit 2001 Universität der Künste Berlin.  Im Jahr 1968 beendete er seine Lehrtätigkeit und gab auch das Komponieren auf.

Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin im Feld 20-C-61.

Was ist nun Peppings Bedeutung für die Kirchenmusik?

Ernst Pepping gilt als einer der wichtigsten protestantischen Kirchenmusiker des 20. Jahrhunderts, der vor allem geistliche Werke für Chor schrieb, darunter A-cappella-Messen, Motetten und Choräle (beispielsweise das Spandauer Chorbuch). Zudem schuf er weltliche Vokalmusik, Orgel- sowie Orchester- und Kammermusikwerke.
Doch die Anforderung seiner Werke vor allem für den Chorgesang ist so hoch, dass  die Werke selten aufgeführt werden. Bei den Kennern der Chormusik gelten sie gemeinsam mit den Orgelwerken als wirkliche Kostbarkeiten der Musik.

Pepping erhielt für sein Schaffen zahlreiche Ehrungen wie Ehrendoktorate an der Freien Universität Berlin (1961) und der Kirchlichen Hochschule Berlin (1971). Er war Mitglied der Berliner Akademie der Künste und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Seine Werke werden im Archiv der Berliner Akademie der Künste aufbewahrt, der Nachlass befindet sich in der Staatsbibliothek zu Berlin.

Schon früh bemühte sich Wilhelm Furtwängler, über den die Prenzlauer Rundschau gerade berichtet hat, um das Orchesterwerk des Komponisten und produzierte Plattenaufnahmen.

Zurück zur Gegenwart. Stiftskantor Jürgen Lindner will das Erbe der Spandauer Musikschule bewahren. „Ernst Pepping und die Spandauer Schule sind für die moderne Kirchenmusik von großer Bedeutung“, so Lindner.   Und auch Kirchenmusikdirektor Helmut Höft, Leitender Kantor an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, schwärmt von Peppings Musik.


Am Freitag  gab es eine Chorvesper zum ersten Todestag von Professor Behrmann in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Hier gastierte der Badische Kammerchor der Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg unter Leitung von Bernd Stegmann. Stegmann studierte in Detmold und Berlin unter anderem bei Martin Behrmann, Helmut Barbe, Heinz Werner Zimmermann und Ernst Pepping und absolvierte 1975 das A-Examen an der Berliner Kirchenmusikschule.  Zwischen 1977 und 1985 arbeitete er als Organist und Kantor an der Pauluskirche in Berlin-Zehlendorf. Gleichzeitig war er als künstlerischer Leiter der Berliner Bach Gesellschaft tätig. 1986 wurde er zum Professor für Chor- und Orchesterleitung an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg ernannt und ist seit 2006 deren Rektor. Seine Lieder sind zum Teil in Gesangbüchern veröffentlicht.

Am Sonnabend nun dann die Einweihung des Gedenksteins. Ein Festkonzert gab den würdigen Rahmen.
Andreas Arentzen, Vorstand des Evangelischen Johannesstifts Berlin, erinnerte in seinem Grußwort an die 60 Kirchenmusiker, die aus ganz Deutschland angereist waren.
Im sich anschließenden Konzert zelebrierten die Kirchenmusiker unter anderem die anspruchsvolle Motette „Jesus und Nikodemus“.

Ab jetzt wird der Gedenkstein im Johannesstift an eine bedeutende Epoche deutscher Kirchenmusik und ihre Auswirkungen erinnern.

Der Gedenkstein im Johannesstift. Foto: Ingrid Sesterhenn



Mittwoch, 26. November 2014

Ibraimo Alberto: Von Karlsruhe nach Hamburg

Ibraimo Alberto war Ausländerbeauftragter der Stadt Schwedt. Doch aufgrund Erfahrungen mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verließ Alberto unter Begleitung der großen überregionalen Medien Brandenburg in Richtung Baden. Karlsruhe wurde seine geliebte neue Heimat. Hier fand Ibraimo Arbeit, neue Liebe und Hoffnung. Er engagiert sich politisch und sozial.

Nicht nur in Potsdam und Prenzlau erzählt er von seinem Leben, sondern gestern auch in Hamburg.

 Im Gewerkschaftshaus von Verdi  am Besenbinderhof  wurde die Ausstellung "Hass vernichtet" von der DGB Vorsitzenden Katja Karger und der stellv. ver.di Landesbezirksleiterin Agnes Schreieder eröffnet.

Die Berliner Künstlerin Irmela Mensah-Schramm dokumentiert seit rund 20 Jahren mit dem Fotoapparat verletzende Parolen, fremdenfeindliche Plakate und menschenverachtende Äußerungen im Öffentlichen Raum.
Fast täglich geht sie mit Ceranfeldschaber, Spraydose, Bürsten, Lösungsmitteln und Farben selbst los, um Neonazi-Parolen und antisemitische Aufkleber zu entfernen oder zu übermalen.
In der Ausstellung werden mit rund 20 Fotos in Posterformat die Ergebnisse ihres Einsatzes für Menschenrechte im Öffentlichen Raum gezeigt. Zudem sind Bilder von Jugendlichen und Schülern zu sehen, die in Workshops mit Irmela Mensah-Schramm hasserfüllte, rassistische und antisemitische Schmierereien in positive, fröhliche und respektvolle Motive umwandeln. Für ihren Einsatz für Menschenrechte und gegen Hass im Öffentlichen Raum wurde die Künstlerin mehrfach ausgezeichnet.

Die Ausstellung ist dort bis zum 5. Dezember zu sehen.

Wie nun die Lebensgefährtin von Ibraimo Alberto, Birgit Kersten, die Prenzlauer Rundschau informierte, wurde bei der Eröffnung auch auf  Albertos neues Buch  "Ich wollte leben wie die Götter" hingewiesen, das in den nächsten Wochen in der angrenzenden "Büchergilde" angeboten wird.


Eine Rezension des Chefredakteurs zum Buch, Informationen und auch youtube-Beiträge unter diesem

Link

zu finden

Ibraimo Alberto mit seiner Lebensgefährtin Birgit Kerstin




Sonntag, 2. November 2014

Auf den Spuren Wilhelm Furtwänglers



Am 30. November 1954, vor 60 Jahren wurde der weltberühmte Dirigent Wilhelm Furtwängler auf dem Bergriedhof in Heidelberg beigesetzt. Der Chefredakteur der Prenzlauer Rundschau hatte die Möglichkeit, vor einigen Tagen einen Abstecher auf diesen wunderbaren Friedhof im Odenwald mit seiner Tochter zu machen. Nicht ohne Grund. Sein Patenonkel Georg Ueltzhoeffer war bei der Beerdigung Furtwänglers als Chorist des Heidelberger Theaters, das die Bestattung dieses weltberühmten Musikers begleitete.
Mit dabei auch Tochter Anastasia.

Eine wichtige Quelle für sein Leben ist Wikipedia:

Er verbrachte seine Jugend in München, wo sein Vater an der Universität unterrichtete, und besuchte das humanistische Gymnasium. Frühzeitig begeisterte er sich für Musik. Ab 1899 erhielt er Privatunterricht in Tonsatz, Komposition und Klavier. Seine Ausbildung zum Pianisten übernahmen Joseph Rheinberger, Max von Schillings und Conrad Ansorge.

Denkt man an die Stücke von Rheinberger, ist klar, welche Tiefe die Ausbildung hatte und welche Verbundenheit zur Romantik.

Hier seine Stationen

Seine ersten Engagements führten ihn 1906 als 2. Repetitor nach Berlin, 1907 über Breslau als Chorleiter nach Zürich und anschließend wieder nach München. 1910 engagierte ihn Hans Pfitzner als 3. Kapellmeister nach Straßburg. 1911 ging er als Nachfolger von Hermann Abendroth nach Lübeck und dirigierte dort das Orchester des Vereins der Musikfreunde. 1915 wurde Furtwängler Operndirektor in Mannheim, von 1919 bis 1921 fungierte er als Chefdirigent des Wiener Tonkünstler-Orchesters, 1920 übernahm er als Nachfolger von Richard Strauss die Konzerte der Berliner Staatsoper. Von 1921 bis 1927 hatte er (gemeinsam mit Leopold Reichwein) die Stelle des Konzertdirektors der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien inne und dirigierte in dieser Funktion das 1921 neu konstituierte Wiener Sinfonieorchester (seit 1933: Wiener Symphoniker). Ab 1922 arbeitete er als Chefdirigent des Berliner Philharmonischen Orchesters und dirigierte außerdem bis 1928 das Gewandhausorchester in Leipzig als Gewandhauskapellmeister. Für das Jahr 1931 hatte er die Gesamtleitung der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth.

Hier wird auch deutlich, wie stark Furtwänglers Beziehungen zu Berlin und auch Bayreuth waren. Er war ein internationaler Star…Und auch trotz der Nazi-Diktatur kann ihm keiner diese Liebe zur Musik, zur Reinheit des Klanges, zum Klang der Weltmusik nehmen.

1945 erhielt Furtwängler von den amerikanischen Besatzungsbehörden zunächst Dirigierverbot. Verheerender noch war für ihn seine internationale Ächtung und seine Brandmarkung als Sündenbock: Man titulierte ihn als „Hitlers gehätschelten Maestro“, „musikalischen Handlanger der nazistischen Blutjustiz“ und „eine der verhängnisvollsten Figuren des Nazireiches“.

Der Fürsprache der „entarteten“ Musiker Paul Hindemith, Yehudi Menuhin, Szymon Goldberg sowie seiner langjährigen jüdischen Sekretärin Berta Geissmar verdankte es Furtwängler, dass er 1947 freigesprochen wurde. Am 25. Mai 1947 dirigierte er erstmals wieder in einem öffentlichen Konzert die Berliner Philharmoniker. Es dauerte jedoch noch weitere fünf Jahre, bis er 1952 wieder zum Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker ernannt wurde, diesmal auf Lebenszeit.

 Furtwängler, Mitglied der weitverzweigten Familie Furtwängler, war zweimal verheiratet. 1923 heiratete er die Dänin Zitla Lund. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits vier außereheliche Kinder. Die Ehe selbst blieb kinderlos. 1931 erfolgte die offizielle Trennung des Paars, die Scheidung jedoch erst 1943. Im selben Jahr heiratete er Elisabeth Ackermann (20. Dezember 1910 bis 5. März 2013), geborene Albert, deren erster Mann, Hans Ackermann, im Zweiten Weltkrieg gefallen war. Aus dieser Ehe ging der einzige eheliche Sohn, Andreas E. Furtwängler (11. November 1944), hervor. Befreundet war er mit der Geigerin Melanie Michaelis.

Furtwängler war Stiefvater der Schauspielerin Kathrin Ackermann, deren Tochter Maria Furtwängler ebenfalls als Schauspielerin bekannt ist.

Sein Grab auf dem Heidelberger Bergfriedhof wird von einer Steinplatte mit dem Vers aus 1. Kor. 13,13 bedeckt: Nun aber bleibt Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei. Aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.
Neben ihm ruhen seine Mutter und seine Schwester Märit Furtwängler-Scheler.

Seit dem 8. November 1991 ist Maria Furtwängler mit dem Verleger Hubert Burda verheiratet. Sie haben zwei Kinder, was natürlich die Bedeutung der Familie aufweist.

Ihre erste große Rolle spielte Maria Furtwängler in der Fernsehserie Die glückliche Familie von 1987 bis 1993. Hier gelang ihr der künstlerische Durchbruch an der Seite von Maria Schell, Siegfried Rauch und ihrer Mutter Kathrin Ackermann. Die achte Todsünde war Furtwänglers erste Arbeit für den NDR. Hier spielte sie die EU-Mitarbeiterin Katja Schütte im Ressort für Wirtschaftskriminalität. Die Zusammenarbeit fand mit dem Tatort eine erfolgreiche Fortführung. Ihr Debüt gab sie dabei am 7. April 2002 in Lastrumer Mischung, weitere 20 Sendungen folgten bis 2012. Als Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm ermittelt Furtwängler in ganz Niedersachsen, vorwiegend auf dem Lande. Dies ermöglicht ihr ein dramaturgischer Kniff, indem sie für das Landeskriminalamt Niedersachsen mit Sitz in Hannover tätig wird. Die Mutterrolle in der Serie wird von ihrer Mutter Kathrin Ackermann gespielt.

Sie ist auch sozial sehr engagiert.

Die Prenzlauer Rundschau gedenkt in besonderer Weise an diesen großen Dirigenten.

Artikel und Foto: Frank Bürger


Anastasia Bürger vor dem Grab von Wilhelm Furtwängler
Foto: Frank Bürger